Krebs bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen

Dr. Anne C. Regierer

Nach AYA-Leitlinine Onkopedia

Auch wenn Krebs meist im höheren Lebensalter auftritt, gibt es auch bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen Krebserkrankungen. Diese unterscheiden sich nicht grundsätzlich von Krebs im höheren Lebensalter, allerdings sind die Lebensumstände in diese Zeit besonders. Ernsthafte Erkrankungen und die Endlichkeit des eigenen Lebens spielen meistens keine Rolle im alltäglichen Erleben. Die als wichtig wahrgenommenen Themen beziehen sich auf Ausbildung, Start ins Berufsleben, Familiengründung, Unabhängigkeit vom Elternhaus, den Aufbau eines eigenen Soziallebens usw.. Schwäche, Krankheit, Schmerzen, Arztbesuche sind für die meisten Jugendlichen und jungen Erwachsenen glücklicherweise weit weg von der eigenen Realität.

Es gibt keine genaue Altersbegrenzung, aber in der medizinischen Fachliteratur wird meist die Altersgruppe 15-40 unter die englische Abkürzung AYA (adolescents and joung adults) subsummiert.

Die häufigsten Krebserkrankunegn in diesem Alter sind bei Frauen unter 30 das maligne Melanom („schwarzer Hautkrebs“) ab 30 dann schon der Brustkrebs und bei Männern Hodenkrebs (RKI, GEKID). Jugendliche und junge Erwachsene haben eine hohe Wahrscheinlichkeit die Krebserkrankung zu überleben mit Heilungsraten von über 80%. Spezifische Schwierigkeiten in diesem Patientenkollektiv sind die besonderen Lebensumstände sowie die Angst vor Langzeitfolgen und Zweiterkrankungen.

Die Behandlung wird nicht relevant vom Alter beeinflusst sondern richtet sich wie in allen anderen Lebensaltern auch nach der genauen histologischen Diagnose, dem Erkrankungsstadium, bestimmten molekularbiologischen bzw. genetischen Risikofaktoren sowie möglichen Nebenerkrankungen. Für genauere Informationen empfehlen wir die Leitlinien der Fachgesellschaften sowie die Homepage

https://www.dgho-onkopedia.de/de/homepage_view

Ob die Betreuung bei Kinderärzten (Pädiatern) oder bei Spezialisten für die jeweilige Krebserkrankung stattfindet, hat vermutlich keine prognostische Relevanz. In Deutschland hat man sich darauf geeinigt, dass Patienten bis zum 18. LJ in der Regel von Pädiatern behandelt werden und ältere Patienten bei Spezialisten für Erwachsene.

Bei der Betreuung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen sollte die psychosoziale Betreuung eine hohe Relevant erhalten. Eine weitere Besonderheit in diesem Alterskollektiv ist die Beachtung von Langzeitwirkungen sowohl der Krebserkrankung als auch der Therapie. Insbesondere eine drohende Infertilität sollte eingehend und umfassend mit den Patienten besprochen werden.

Auch das erhöhte Risiko erneut eine Krebserkrankung im Laufe des Lebens zu entwickeln und dementsprechend eine individuelle Nachsorge zu betreiben, muss ausführlich mit den AYA-Patienten thematisiert werden.